Ein guter Lehrer lebt, was er unterrichtet

Ein guter Lehrer ist die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Oft musste ich tausende Kilometer reisen, um zu bekommen, was ich gesucht habe. Oft wurde ich auch enttäuscht. Einen guten Lehrer zu haben, ist definitiv ein enormer Segen, sagt GM Wong Kiew Kit. Doch wie ist es einem Anfänger möglich, die Spreu vom Weizen zu trennen? Nach Texten von GM Wong und Wong Chun Nga habe ich für diesen Blog zusammengestellt, was einen guten Lehrer ausmacht.

Ein guter Lehrer sollte ein Vorbild für seine Lehre sein. Er sollte Verkörpern, was er lehrt. Unterrichtet er Qi Gong zur Gesunderhaltung und Steigerung der Vitalität, so sollte er auch selbst gesund und vital sein. Unterrichtet er ein „hartes Qi Gong“ um Fähigkeiten wie etwa die „Eiserne Hand“ oder das „Eisenhemd“ zu haben, dann sollte er selbst über diese Fähigkeiten verfügen, (ohne dabei krank oder innerlich verletzt zu sein). Ein Qi Gong Lehrer sollte immer Gesundheit, Vitalität, Freundlichkeit, Freude und Humor ausstrahlen!

Ein Gong Fu Lehrer sollte wissen wie man seine Kunst einsetzt um sich selbst zu verteidigen und selbst im Gong Fu die Struktur haben, die er von seinen Schülerinnen und Schülern erwartet. Das gilt nicht nur für das Training. Ein guter Lehrer sollte seine körperliche Struktur auch im Alltag aufrechterhalten können. Ein wahrer Meister des Gong Fu und Qi Gong strahlt seine Lehren dauerhaft auch im Alltag aus. Für ihn gibt es keinen Unterschied mehr, zwischen „Training“ oder „Übung“ und Alltag.

Ich habe Qi Gong und Tai-Chi Lehrer (im Westen) erlebt, die überzeugt waren, es gäbe überhaupt kein Qi im Sinne einer tatsächlich existierenden Lebensenergie mit der wir arbeiten, vielmehr sei dies ein überholtes alt-chinesisches Konzept! Zur Erklärung ihrer Techniken und Übungen griffen sie auf mechanische Erklärungsmuster zurück. Klar, eine gute Struktur ist wichtig, damit Qi besser fließen kann, streicht man jedoch das Qi aus dem Tai-Chi oder Qi-Gong, dann ist es kein Tai-Chi oder Qi-Gong mehr, sondern körperliche Gymnastik oder Tanz!

Ein guter Lehrer sollte sachkundig sein. Er sollte nicht nur über die Fertigkeiten verfügen, die er unterrichtet, sondern auch über die Fähigkeit die Hintergründe dieser Fertigkeiten zu verstehen und erklären zu können. Ein Qi Gong Lehrer sollte zum Beispiel vermitteln und erklären können, was Qi ist. Er sollte über Grundwissen in der traditionell chinesischen oder taoistischen Medizin verfügen.

Ein Gong Fu Lehrer sollte darüber hinaus die Hintergründe des Gong Fu kennen und die Philosophie des Zen verstehen und vermitteln können. Für einen Tai-Chi Lehrer gilt entsprechendes hinsichtlich der Philosophie des Taoismus.

Ich habe auch Lehrer (in China) gehabt, die zwar große Fertigkeiten besaßen, die Hintergründe und Wirkmechanismen ihrer Kunst jedoch nicht erklärten. Einige ihrer (westlichen) Schülern hatten dann zwar ebenfalls große Fertigkeit erreicht, hinsichtlich der Erklärungsmuster, auf die hier im Westen viel mehr Wert gelegt wird, griffen sie notgedrungen auf eigene Theorien zurück… Verfügt der Lehrer über Können und Wissen in seiner Kunst, dann kann er auch seinen Schülerinnen und Schülern den größtmöglichen Nutzen bringen.

Ein Gong Fu Lehrer sollte darüber hinaus die Hintergründe des Gong Fu kennen und die Philosophie des Zen verstehen und vermitteln können. Für einen Tai-Chi Lehrer gilt entsprechendes hinsichtlich der Philosophie des Taoismus.

Ich habe auch Lehrer (in China) gehabt, die zwar große Fertigkeiten besaßen, die Hintergründe und Wirkmechanismen ihrer Kunst jedoch nicht erklärten. Einige ihrer (westlichen) Schülern hatten dann zwar ebenfalls große Fertigkeit erreicht, hinsichtlich der Erklärungsmuster, auf die hier im Westen viel mehr Wert gelegt wird, griffen sie notgedrungen auf eigene Theorien zurück… Verfügt der Lehrer über Können und Wissen in seiner Kunst, dann kann er auch seinen Schülerinnen und Schülern den größtmöglichen Nutzen bringen.

Wenn ein Lehrer unterrichtet, so sollte er dies immer entsprechend den Bedürfnissen und den Fähigkeiten seiner Schüler tun und nicht entsprechend seiner eigenen Bedürfnisse! Er sollte im Unterricht systematisch und verständlich vorgehen so, dass es alle Schüler lernen können. Ich habe auf meinem Weg im Training häufig wieder und wieder eine einfache Bewegung oder einen einfachen Ablauf wiederholen müssen, bei meinem Studium in China teilweise mehrere Stunden am Tag! Andere Lehrer haben Bewegungsabläufe sehr stark vereinfacht um bestimmte Prinzipien zu vermitteln. Diese Methoden sind normalerweise keine Anzeichen dafür, dass der Lehrer oder Meister irgendetwas vor uns verbergen oder zurückhalten will, sondern eher ein Anzeichen, dass der Lehrer spürt, dass du deine Bestrebungen die Kunst zu lernen ernst nimmst und diese Methoden dienen uns dazu systematisch trainieren und größere Erfolge zu erzielen.

Die vierte Eigenschaft, die einen guten Lehrer in einen großen Lehrer verwandelt, ist, dass er Inspiration ausstrahlt. Es ist eine Freude, von einem großen Lehrer oder Meister zu lernen, obwohl sein Training hart ist. Er macht komplizierte Konzepte leicht verständlich, gibt implizit die Gewissheit, dass er in der Lage und bereit ist, Fehler zu korrigieren, und spornt seine Schüler an, ihr Bestes zu geben, auch über das Niveau hinaus, das er selbst erreicht hat.

Die wichtigste Eigenschaft eines großen Lehrers oder Meisters ist, dass er in seinem täglichen Leben hohe moralische Werte lebt und ausstrahlt. Ein großer Meister ist tolerant, mitfühlend, mutig, gerecht und zeigt eine große Liebe und Respekt für das Leben. Seine Lehren kommen immer von Herzen und er erwartet dafür keine Gegenleistung. Er lügt seine Schülerinnen und Schüler niemals an und lernt immer auch von ihnen. Wenn wir feststellen, dass ein Lehrer nicht unseren Bedürfnissen entspricht, sollten wir weiter Suchen. Ich selbst habe häufig, nachdem ich feststellte, dass ein Lehrer oder Meister nicht meinen Bedürfnissen entsprach, mich respektvoll und dankbar von ihm verabschiedet und einen neuen aufgesucht, auch wenn ich dann jedes Mal komplett von neuem Beginnen musste…